Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Ihr Titel "Stübner" auf der Shortlist des "Fußballbuch des Jahres 2020" steht, und gratulieren herztlich zur Nominierung.

Wenn man eine Mail bekommt, die mit diesem Satz beginnt, dann ist das ein Grund, auf das vorliegende Buch: "Stübner - Popstar wider Willen" ein bißchen stolz zu sein.

Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur verleiht seit dem Jahr 2006 die Auszeichnung „Fußballbuch des Jahres“. Zu den bisherigen Preisträgern gehören renommierte Fußballjournalisten wie Ronald Reng oder Thomas Kistner, ehemalige Fußballgrößen wie der Argentinier Jorge Valdano und Schriftsteller wie Péter Esterházy.

Eine erstklassig besetzte Jury aus elf Literatur-, Sport,- und Kultursachverständigen nominierte auch in diesem Jahr die Titel der Shortlist zum Fußballbuch des Jahres. Auf Basis dieser Shortlist wird dann der endgültige Siegertitel gewählt.

20200809 fussballbuch des jahres 2020

Anfang Juni saß ich bei Gert im Krankenhaus. Entgegen unseren Gepflogenheiten - da ging es in erster Linie um Fußball, um Dynamo und erst nachrangig um alles andere - sprachen wir über wirklich alles - vielleicht, weil wir wussten, dass es sehr wahrscheinlich unser letztes Gespräch sein würde.

Im März 1990 hatte ich ihn zum ersten Mal erlebt, bei der Fußball-Weltgala in Dresden. Zwischen Helmut Kohl, Veronika Fischer und Fritz Walter sah ich da einen Typen, ganz in weiß, mit Mikrofon - die Haare offenbar gefärbt - der die Fußball-Stars aus der ganzen Welt nicht nur dirigierte, er spielte sie an die Wand. Das Stadion war seine Bühne. Apropos: Auf der Bühne nannten wir uns distanziert „Kollege Zimmermann“ und „Kollege Karte“. Wenn wir uns anriefen oder trafen - verwendeten wir das für uns Vertrauliche: „Genosse“. Das hatte sich - ohne jede politische Ausrichtung - einfach so ergeben. Und so begrüßte ich ihn eben auch an diesem Donnerstag vor vier Wochen im Krankenhaus mit „Genosse“ - worauf er die ein wenig irritiert wirkende Schwester kurz beruhigen musste, es sei schon alles in Ordnung.

Wie aber fängt man ein Gespräch an - wenn man weiß, es wird das letzte sein? Zimmi im Krankenbett, ich gegenüber. „Jetzt nimm doch mal das Scheißding ab“, forderte er mich auf und zeigte auf meine Maske. Das nahm den Umständen die Steifheit und wir fingen an - wie gewöhnlich - zu plaudern. Über Ralf Minge und dessen frisch verkündetem Abschied von Dynamo. „Unglaublich!“, polterte Zimmi und ich überlegte, wie oft ihn sein Lieblingsverein schon zu diesem Kommentar getrieben hatte. Mir fiel auf: Seine Stimme hatte viel von ihrer Kraft verloren. Woher sollten die Körner auch kommen? Er beschrieb seine Tagesration: Ein Tässchen Spargelcremesuppe, eine Erdbeere und ein Kirsche. Dabei hatte er für sein Leben gern gegessen. Für ein leckeres Filetsteak Stroganoff stellte er sich sogar selbst an den Herd. Danach, natürlich, ein Gin Tonic. Oder spätabends das geliebte Walnuss-Eis. Für das gute Gewissen oder zumindest die Beruhigung dessen sorgte das Fußball spielen an einem jeden Dienstag.

Und schon purzeln die Erinnerungen. Kennengelernt hatten wir uns im Sprecherturm auf der Pieschener Allee, Sonntag früh um 10, irgendein Volkssportturnier. Dort stellte ich mich vor, er erwiderte kurz: „Ich bin der Zimmi!“ und konnte sich vor vier Wochen beim besten Willen nicht mehr daran erinnern - ist ja auch schlappe 30 Jahre her. Ab 1991 hatten wir regelmäßig miteinander zu tun. Bevor er sonntags in der Redaktion erschien, hörte man meist schon seinen Wortschwall im Treppenhaus. Bald wurde er für mich der „GeZi“, das war sein Kürzel bei der Zeitung, der „UNION“.

Zurück ins Haus L - Station 20 - Zimmer 132. Wir sprachen auch über den „Fall der Fälle“ - wie es Gert nannte. Natürlich ohne das Wort Trauerfeier in den Mund zu nehmen. Für mich war er in diesem Moment ein Meister der verbindlichen Unverbindlichkeit. Das konnte er perfekt, wenn es um persönliche Dinge, oder emotionale Befindlichkeiten ging. Da drückte er sich gern und lenkte sich mit den täglichen Aufgeregtheiten ab. Und nun? Fragte er unvermittelt: Machst du mir dafür auch so ein Filmchen - wie damals beim Doc? Ich verstand, was er meinte. Im Dezember 2004 waren wir zur Trauerfeier nach Erfurt unterwegs. Nicht sicher, wie die vorbereiteten Bewegtbilder auf der Leinwand bei den Trauergästen ankommen würden. „Hier meldet sich Wolfgang Hempel aus dem Berner Wankdorf-Stadion“, begann damals der Nachruf und er kommentierte mit der nun etwas heiseren Stimme: „Das war wegweisend!“ „Zimmi“ hat den „Doc“, wie wir Wolfgang nannten, ein Leben lang sehr verehrt. Und konnte ihn wunderbar imitieren, oft und gern bediente er sich aus dessen Repertoire.

Sprachlos erlebte man den GeZi eher selten. Ein Sheriff in den USA schaffte es mal mit ein paar spontanen Zwangsmaßnahmen. Gert - es war im Rahmen der Fußball-WM 1994 unterwegs - war von ihm auf einem Highway heraus gewinkt worden und irritierte den Ordnungshüter mit seinem Mitteilungsbedürfnis. Sekunden später spürte er das Autodach unter der Kinnlade und hatte - breitbeinig am Mietwagen stehend - die Leibesvisitation über sich ergehen zu lassen und hielt jetzt lieber die Klappe. Ich schaffte Ähnliches mit einer ganz banalen Frage: Wohin fährst Du in den Urlaub? Nach einer für ihn ungewöhnlich langen Pause schaute er mich völlig entgeistert an und fragte zurück: „Urlaub?“ Dann beschrieb er den für ihn perfekten Tag - sagen wir Mitte der 80er Jahre: Der begann mit der Frühschicht im Hotel und dem Eindecken der Tische. Nach der Schicht eilte „Oberstkellner Zimmermann“ in den Großen Garten, um dem Training der Dynamos beizuwohnen und dann in der Texterfassung der Redaktion den netten Mädels ein paar Zeilen zu diktieren. Von der Zeitung ging es direkt zur dritten Schicht des Tages, als DJ mit seiner „Internationalen Musikmaschine". Das war seine Welt! „Hat mir Spaß gemacht, ich konnte nicht genug davon bekommen und hätte mich im Urlaub nur gelangweilt“, ich glaubte ihm aufs Wort!

Bis zuletzt hatte sich daran nicht so viel geändert. Die perfekte Woche der letzten Jahre begann am Freitagabend mit dem Spiel bei den Eislöwen und den Gesprächen mit den Oldies. Samstag mittag dann Dynamo, mit Currywurst und belegten Brötchen. Mit Spielschluss die Grätsche vor der Haupttribüne, ein streitbares YouTube-Format. Entweder mochte man es oder eben auch nicht. Zimmi liebte den Boulevard. Sonntag früh dann auf ein Bierchen bei der Post auf der Hebbelstraße. Oder doch gleich zur 3. Liga in Chemnitz oder Zwickau? Dienstag dann Champions League in Leipzig, Mittwoch Volleyball in Dresden, Donnerstag eine Veranstaltung im Schloß Schönfeld und wann nochmal gibts denn nächsten Talk mit Meyer und Geyer? Dazu alles vom Sport-Stammtisch bis hin zur Pflegemesse - das war seine Welt und in gewisser Weise auch seine Familie.

„Darf ich Dich fragen, wie das im Herbst bei Dir mit der Krankheit angefangen hat?, wollte ich von ihm wissen und er erzählte. Nach der Diagnose trafen wir uns im Großen Garten, er nahm mich zur Seite. Ein Blick in sein Gesicht verriet den Ernst der Lage. „Danke, dass Du letzte Woche für mich die Mugge übernommen hast!“, sagte er, ich winkte nur ab und fragte: „Sehr schlimm?“ Er nickte kurz.

Was uns immer verbinden wird, sind die beiden Dynamo-Bücher. Zum zweiten hatte er mich im Frühjahr 2012 überredet und war unheimlich stolz, als es im August 2013 endlich fertig war. Mit zehn fleißigen Helfern - darunter Gitta Müller, die gute Seele auf der Dynamo-Geschäftsstelle - waren wir zuvor in die Druckerei nach Zwickau gefahren, um zwei Tage lang jedem Buchkäufer seine Wunsch-Widmung handschriftlich einzutragen. Die Reaktionen aber waren jede Mühe Wert.

Das erste Buch - geschrieben im Frühjahr und Sommer 1993 - Dynamo bekam gerade minus vier Punkte aufgebrummt - war ein Projekt, wo man Optimismus sehr gut gebrauchen konnte. Was aber passierte ein Vierteljahr später? Dresden schlug erst die großen Bayern im DFB-Pokal und gewann in der nächsten Runde das Elfmeterschießen gegen Bayer Leverkusen. Als Pavel Hapal den Torhüter der Schwarz-Gelben narren wollte - blieb Stanislaw Tschertschessow ganz cool und „Zimmi“ orgelte in seiner Live-Reportage für die Ewigkeit: „...und der Russe bleibt stehen wie Lenin auf dem roten Platz!“

...und wie macht man das, sich für immer zu verabschieden? Ich sagte Gert, was mir gerade durch den Kopf ging. Auf der Palliativstation waren zwei Stunden wie im Flug vergangenen. Hätt ich gar nicht gedacht, sagte er und ergänzte: Dass ich so lange noch durchhalten kann! Die Kraft lässt doch spürbar nach - jeden Tag ein bißchen. Aber danke Dir, ich habe heute Abend über vieles nochmal nachzudenken - zum Abschluss hielt er mir die Faust hin - der Corona-Gruß zum Abschied.

So einen Typen wird es vermutlich nie wieder geben. Zimmi war einzigartig, dazu ein Produkt seiner Zeit. Ich hoffe nur, wo auch immer er jetzt ist, er lässt die anderen auch mal zu Wort kommen. Mein Lieber, machs gut, es war mir eine Ehre!

20200624 Scholle am Grab

Heiko Scholz denkt an seinen ehemaligen Mitspieler und Weggefährten. Ein Jahr nach dem plötzlichen Tod von Jörg Stübner besucht „Scholle“ das Grab.

20200525 Stuebner Rezension 11Freunde

Quelle: www.11Freunde.de

Vasilis aus Griechenland freut sich nach dem Dynamo-Buch nun auch auf die Stübner-Lektüre.

20200525 Vasilis

20200401 Leipziger Volkszeitung

20200306 buchmesse 2020

Damit fällt leider die Buchlesung am 12. März 2020 aus.

2020 Buchmesse Leipzig

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse sind Autor Uwe Karte und Stübner-Weggefährte Heiko Scholz (Co-Trainer Dynamo Dresden) zu Gast in der LVZ-Kuppelhalle, Moderation: Roman Knoblauch

Liebe Stübner-Freunde,

allen zunächst noch ein gesundes neues Jahr! Zugleich ganz herzlichen Dank für die vielen Reaktionen, Einschätzungen und Erinnerungen nach dem Lesen des Buches. Vom Zweizeiler bis zur mehrseitigen Mail war alles dabei. Ich bin mir sicher, dass Jörg alles verfolgt hat und sich auch darüber gefreut hat. Schade, dass er sein Buch nicht mehr selbst in der Hand halten kann. Dafür hat es vielerorts einen würdigen Platz bekommen.

Schön auch, dass an sein Grab immer wieder frische Blumen gebracht werden. Für seine Familie ist es ein weiteres Zeichen, dass er in Dresden nicht vergessen ist.

20200112 stuebner grab 1

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Vielleicht sehen wir uns demnächst bei der einen oder anderen Veranstaltung, ich würde mich freuen!

Beste Grüße
Uwe Karte

Buch-Präsentation in der BallsportARENA mit Ulf Kirsten
Wann? Donnerstag, 28. November - 19 Uhr
Wo? VIP-Raum
Eintritt: 5 Euro (Abendkasse) oder verbindliche Reservierungen über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (das Kartenkontingent ist begrenzt)

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Ulf Kirsten - 100facher Nationalspieler - gehört zu den langjährigen Weggefährten und Freunden des viel zu früh verstorbenen Dynamo-Spielers. Buch-Autor Uwe Karte plaudert mit ihm über gute und schlechte Zeiten, über bewegende Momente und wichtige Begebenheiten. Illustriert wird das Gespräch mit filmischen Erinnerungen.

Von Thomas Riemer: Autor Uwe Karte hat sein Buch über den verstorbenen Fußballer Jörg Stübner vorgestellt. Ein bewegender Abend in Schloss Schönfeld.

Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel und Autor Uwe Karte hatten den Termin der Buchvorstellung lange vorbereitet. "Den Abend haben wir schon im Frühjahr geplant", bestätigt Karte. Damals hatte auch der "Buchheld" zugestimmt. "Ja, eigentlich hätte heute Jörg hier gesessen. Er hat sich auf die Buchpremiere gefreut", sagt der Journalist. Doch dann die schreckliche Nachricht. Am 24. Juni dieses Jahres verstarb Jörg Stübner. Plötzlich. Unerwartet. Mit 53 Jahren. Stille herrscht im Schlosssaal, als am Donnerstag ehemalige Fußballkameraden gezeigt werden, die ihm vor vier Jahren per Videobotschaft zum 50. Geburtstag gratulierten. Manche Träne wird weggewischt. Auch Uwe Stübner verfolgt die Bilder. "Als Bruder war ich sehr stolz auf ihn", sagt er später.

"Stübner – Popstar wider Willen" hat Uwe Karte das Werk betitelt, das er seit 2015 mit Jörg Stübner plante. Da hatte der einstige Vollblutfußballer von Dynamo Dresden und vielfache DDR-Nationalspieler seine wohl schlimmsten Jahre hinter sich. Uwe Karte erinnert sich, wie er mit Dynamo-Geschäftsführer Ralf Minge nach Wegen suchen wollte, wie man "den Burschen in die Gemeinschaft holen kann".

Wo: KUKUNA (Zentrum für Kunst, Kultur und Natur)
Wann: 20. November 2019 - 19 Uhr
Gäste: Autor Uwe Karte, die beiden Ex-Nationalspieler Heiko Scholz und Ralf Hauptmann - dazu zwei Überraschungsgäste
Weitere Infos unter www.fussballzeitreise.de.

Vorbereitungen für die Buch-Präsentation im Schloss Schönfeld (b. Thiendorf)

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Ein wunderbarer Abend in kleiner, feiner Runde - links Uwe Stübner, der Bruder von Jörg.

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Auch für Dixie Dörner wurde es ein bewegender Abend.

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Buch-Premiere im VIP-Raum des Harbig-Stadions. Schade, dass die Hauptperson diesen Abend nicht mehr erleben konnte!

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Ralf Minge gehört zu denen, die schon ein Stübner-Buch in den Händen halten.

Einen Tag noch bis zur Buch-Premiere.

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Die Bücher sind geliefert! Pünktlich und in guter Qualität!

Zwei Tage noch bis zur Buch-Premiere.

20191111 stuebner buecher geliefert

In der Sächsischen Zeitung Ausgabe Großenhain erschien am 25. September 2019 folgender Artikel (Link zum Artikel):

"Journalist Uwe Karte hat ein Buch über den verstorbenen Fußballer Jörg Stübner geschrieben. In Schönfeld stellt er es vor.

SZ 25092019
Foto: Steffen Mönnich

Die Nachricht vom Tod Jörg Stübners im Frühsommer kam überraschend. Der frühere Fußballer von Dynamo Dresden ist am 24. Juni im Alter von nur 53 Jahren verstorben. Den Fußballfans wird der 47-fache DDR-Nationalspieler in Erinnerung bleiben: wegen seiner Popperlocke und dem großen Kämpferherz auf dem Rasen. Mit 18 Jahren Stammspieler bei Dynamo Dresden geworden, war die Wende die Zäsur. Im Gegensatz zu vielen Mitspielern schaffte es Jörg Stübner nicht, im Profifußball Fuß zu fassen. Es wurde ruhig um ihn, gesundheitliche Probleme, Sozialamt.

„Jörg war scheu, zurückhaltend und hochsensibel“, sagt Uwe Karte. Er ist Freier Journalist und Autor und hat ein Buch geschrieben: „Stübner – Popstar wider Willen“ heißt es und wird am 13. November im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion vorgestellt. Einen Tag später macht der 52-jährige Autor Station im Schloss Schönfeld. Ein Fußballabend der ganz besonderen Art.

Herr Karte, warum kommen Sie nur einen Tag nach der offiziellen Buchpremiere ausgerechnet nach Schönfeld?

Warum nicht? Bürgermeister Hans-Joachim Weigel und ich sind uns irgendwann einmal über den Weg gelaufen. Da hat er mir das Schloss „schmackhaft“ gemacht. Eigentlich war die Veranstaltung mit Jörg Stübner geplant. Wir hatten uns nach mehr als drei Jahren Arbeit am Buch im Frühjahr darauf verständigt, dass es im Herbst erscheinen soll. Geplant war, dass er vornehmlich bei den etwas kleineren Lesungen dabei ist und auch auf diese Art und Weise wieder eine soziale Anbindung erfährt. Ich glaube, dass er sich darauf sehr gefreut hat.

Nun werden Sie wahrscheinlich mit seinem Bruder Uwe nach Schönfeld kommen?

Ja, ich hoffe. Wir kennen uns noch gar nicht so lange. Ich hatte Jörg mal nach einem Kontakt zu Uwe gefragt, doch er wollte das nicht. Nach seinem plötzlichen Ableben hat es sich dann zwangsläufig ergeben. Ralf Minge und ich saßen wenig später bei der Familie Stübner und haben unsere Unterstützung angeboten. So begannen die Vorbereitungen der Trauerfeier, die ja dann am 23. Juli stattgefunden hat. Es wäre Jörgs 54. Geburtstag gewesen ...

Sie haben auch die Trauerrede gehalten?

Naja, seine Mutter sagte nach unserem ersten Gespräch: „Was Sie alles über meinen Jörg wissen!“ Da lag es also praktisch auf der Hand, aus diesem Anlass ein paar persönliche Worte zu finden. Über den Fußballer Jörg Stübner, viel mehr aber über den Menschen. Das ging natürlich nur aus meinem Blickwinkel, wie wir uns überhaupt kennengelernt hatten, wie ich ihn erlebt hatte. Wie es zum Buchprojekt kam und was in diesen knapp vier Jahren dann alles so passiert ist.

Wie ist es überhaupt zu dem Stübner-Buch gekommen?

Das war kurz nach seinem 50. Geburtstag. Ich hatte Jörg gefragt, ob er sich das vorstellen kann. Aus meiner Sicht war es als eine Art Lebenshilfe gedacht, ihn aus dem sozialen Abseits zurück in die Gemeinschaft zu holen. Traurig, dass das Buch nun ein Andenken an ihn wird, aber auch das finde ich ziemlich wichtig.

Jörg Stübner wird vielen Fans in Erinnerung bleiben, als er 1985 den damaligen französischen Starfußballer Michel Platini im Leipziger Zentralstadion buchstäblich „abkochte“ ...

Ja, ich war damals auch im Stadion, ein unglaublicher Abend! Dieses Spiel wird im Buch natürlich thematisiert. Allerdings wird der Bogen viel weiter gespannt, als ich anfangs dachte. Vielleicht ging das nur, weil wir uns schon lange kannten. Er hat kaum jemand an seinem Leben teilhaben lassen. Umso bemerkenswerter, wie aktiv Jörg dann am Buch mitgearbeitet hat. Die opulente Illustration ist in erster Linie ihm zu danken, so bekommt der Leser einen intensiven Eindruck von seinem Werdegang.

Wie lange kannten sie Jörg Stübner?

Seit 1990, ich hatte gerade bei der Dresdner Tageszeitung „Die Union“ begonnen. Ganz genau wird das im Buch beschrieben. Danach sind wir uns immer wieder begegnet und haben uns eigentlich nie aus den Augen verloren, hatten immer einen guten Draht. Was ihm zum Beispiel schwerfiel, war die Hilfe anderer anzunehmen. Deshalb scheiterten auch die meisten, der stets gut gemeinten Hilfsangebote nach der Wende.

Das heißt, sie hatten ständig Kontakt zu ihm?

Nein, ständig nicht, aber regelmäßig. Zudem gab es Anlässe, die uns immer wieder zusammenführten. Das Abschiedsspiel für Ulf Kirsten 2003 fällt mir da ein. Oder: Jedes Jahr hat er mir Weihnachts- und Neujahrsgrüße geschickt. Mit dem Buchprojekt wurde der Kontakt intensiver und speziell im letzten Jahr hatten wir dann fast täglich irgendwie Kontakt.

Wie sah denn die „Hilfe zum Leben“ aus?

Jörg hat sehr lange von Sozialhilfe gelebt – da allein rauszukommen, ist fast unmöglich. In Zusammenarbeit mit Dynamo, da ist in erster Linie Ralf Minge zu nennen, haben wir ihm eine neue Wohnung besorgt, im Umgang mit Behörden unterstützt, ab Dezember 2018 war er wieder Tribünengast bei Dynamo, Anfang 2019 ging es dann los mit einem Mini-Job in der Dynamo-Fußballschule. Letzteres zum Beispiel hätte ohne die Unterstützung von Ralf Hauptmann oder Rene Beuchel nie und nimmer funktioniert. Auf jeden Fall hatte ich den Eindruck, dass wir auf einem guten Weg waren.

Wie haben Sie die letzten Tage und Monate vor seinem Tod wahrgenommen?

Im April/Mai hatte Jörg gesundheitliche Sorgen – die Bandscheibe mal wieder. Dazu kamen schlechte Nachrichten auf privater Ebene. Seine Form der Konfliktbewältigung aber war nicht gut für seine Gesundheit. Im Juni ging es ihm dann wieder besser. Eine Woche vor seinem Tod haben wir uns in unserem Stamm-Café getroffen. Es war wirklich ein gutes Gespräch und wir haben uns beide schon auf die Fortsetzung gefreut ...

Zurück zu Ihrem Buch: Was erwartet die Zuhörer am 14. November in Schönfeld?

Ich denke, für Stübner-Fans und Interessierte wird es ein spannender Abend. Mit einem kleinen Film, mit ganz vielen Fotos und dem Beleuchten von vielen Kapiteln aus seinem Leben. Natürlich gehen wir auch der Frage nach: Wie wird man zu dem Popstar im DDR-Fußball?"

K18 Stuebs und Platini 198411.9.1985 WM-Qualifikation DDR - Frankreich in Leipzig, Stübner gegen Platini (Szene aus dem Hinspiel)

Interview Junge Welt 14099012.9.1990 Letztes Länderspiel der DDR-Auswahl gegen Belgien in Brüssel mit Stübner-Interview "Junge Welt"

img 8975 ulf kirsten
Treff mit Ulf Kirsten, schauen uns gemeinsam den Ist-Zustand des Buches "STÜBNER - Popstar wider Willen" an.

img 20190504 ulf kirsten joerg stuebner
Ein Schnappschuss von der DDR-Spartakiade 1979 in Berlin. Es war der erste, gemeinsame Auftritt von Ulf (l.) und Jörg (2.v.l.) bei einem Pflichtspiel und endete mit der Goldmedaille.

20190716 stuebner schweigeminute

Schweigeminute für Jörg Stübner

hans uwe pilz mit dynamo buch

"Pflicht-Lektüre für jeden Anhänger und Fan!", sagt Dynamo-Legende Dixie Dörner und präsentiert die zwei Kilo schwere Dynamo-Fibel.

Nun ist es schon drei Jahre alt: das Dynamo-Buch 1953 - 2013. Bis heute kommen regelmäßig Reaktionen zu diesem, guten Stück. Viel Lob gab es, auch an dieser Stelle noch einmal besten Dank!

Nun sind drei Jahre vergangen, höchste Zeit, der geneigten Leserschaft etwas Neues anzubieten. Was halten Sie von "Montreal privat"? Ach, das sagt Ihnen überhaupt nichts? Dann kommen Sie doch einfach mit. Auf eine einmalige Zeitreise nach Kanada ins Jahr 1976! Sie werden erfahren, wie 17 Fußballer aus der DDR (darunter gleich sechs Dresdner Dynamos) den Sommer ihres Lebens verbringen. Warum sie gleich nach ihrem ersten Endrundenauftritt wieder nach Hause geschickt werden sollen. Wie den vermeintlichen Versagern aber plötzlich Flügel wachsen und sie zu Helden werden.

Buch Montreal privat

Vor nunmehr 40 Jahren gelingt der DDR-Auswahl der bis heute einzige Triumph einer deutschen Fußballmannschaft bei Olympischen Spielen. Das von Georg Buschner trainierte Kollektiv sorgt für den neben der WM-Teilnahme 1974 größten Erfolg der Ostkicker. Damals steht dieser Olympiasieg im Schatten großartig anmutender Erfolge. Die "Diplomaten im Trainingsanzug" scheffeln in Montreal insgesamt 40mal Gold für ihren Staat. So kommen Dörner, Croy und Co. in der Bewertung eher knapp und spärlich weg. Immerhin werden sie dann in der DDR zur "Mannschaft des Jahres" gewählt.

Montreal76 Buch Foto 1Illustriert - und das ist wohl einmalig - wird diese Zeitreise mit den privaten Fotos der Spieler. Die besten Schnappschüsse bieten eine überzeugende Vorstellung vom Alltag in Montreal, von den Bedingungen im Olympischen Dorf und den Eindrücken der jungen Männer. Ergänzt werden diese ganz privaten und sehr persönlichen Einblicke durch Briefe und Dokumente der Kicker, durch Zeitungsausschnitte und Aktenmaterial. Eine weitere Besonderheit: die Erinnerungen von Dixie Dörner. Der "Beckenbauer des Ostens", in Montreal der Kapitän und bester Torschütze seiner Mannschaft, dazu zum besten Spieler des Turniers gewählt, gibt seine Sicht auf die Dinge wieder und bewertet bzw. kommentiert mit dem Abstand von vier Jahrzehnten, was damals geschah.

Montreal76 Buch Foto 2Inhaltlich im Mittelpunkt steht der Turnierverlauf bis hin zum Olympiagold, gewürzt mit Anekdoten und Episoden. Ausführlich beschrieben werden historische Zusammenhänge und Probleme. Ausgangspunkt ist das Anmelden einer Mannschaft für die Qualifikation kurz nach der für DDR-Verhältnisse außerordentlich erfolgreichen Fußball-WM 1974. Endpunkt die Auszeichnungsreise für die Spieler im Sommer 1977 nach Kuba.

Das Buch versucht den Olympiasieg einzuordnen und Fragen zu beantworten wie: Welche Rolle spielte Trainer Georg Buschner? Warum war der Generalsekretär der DDR-Fußballer in Montreal als Kampfrichter im Kanu eingesetzt? Oder: Einen Monat vor Olympia erhielt Heinz Krügel – mit Magdeburg noch 1974 Europapokalsieger geworden – Berufsverbot. Warum? Krügels Kollege, der Dresdner Walter Fritsch kann sich nur mit dem Gewinn der Meisterschaft vor seiner Ablösung retten. Was war los im DDR-Fußball 1976?

Das Buch in Zahlen:

Montreal privat - Die unglaubliche Geschichte vom Olympiasieg der DDR-Fußballer

Hardcover
Umfang: 192 Seiten
Preis: 19,90 Euro
Erscheinungstermin: 15. Juli 2016

Möchten Sie Buch das bestellen? Dann wird Ihnen auf folgender Homepage geholfen: www.montreal76.de

Miki Stevic mit Dynamo Buch
Miroslav Stevic

Maxi Arnold mit Dynamo Buch Stefan Kutschke mit Dynamo Buch
Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg) und Stefan Kutschke (1. FC Nürnberg)

Hans Juergen Kreische mit Dynamo Buch
Hans-Jürgen Kreische

Lesestunde mit Klaus Sammer und Dixie Dörner
Lesestunde mit Klaus Sammer und Dixie Dörner - die beiden Dynamo-Idole bekamen zur Buch-Präsentation im "Italienischen Dörfchen" ihr ganz persönliches Dynamo-Buch überreicht und waren sofort gefesselt. Dynamo-Präsident Andreas Ritter bekam das Buch mit der Nummer 1953 überreicht - es ist das Exemplar für den Verein, das von den Autoren natürlich auch mit einer sehr persönlichen Widmung versehen wurde. (August 2013)

Matthias Sammer mit Dynamo Buch
Matthias Sammer - Sportvorstand beim FC Bayern München - gehört inzwischen auch zu den Lesern des Buches. In seinem Büro auf der Säbener Straße präsentiert der einstige "Feuerkopf" sein Exemplar. Sammer junior war von 1972 bis 1990 bei den Schwarz-Gelben aktiv. (Oktober 2013)

Liebe Käuferin, lieber Käufer,

lange genug haben Sie auf ihr "Dynamo-Buch 1953 - 2013" warten müssen. Doch glauben Sie uns, es hat sich gelohnt. Heute werden die Bücher an die in der Bestellung angegebene Adresse versandt.


Autorenstress: Uwe Karte und Gert Zimmermann schreiben die von
der Käuferschaft gewünschten Widmungen in die Bücher


Anschließend wurde alle Bücher verpackt, jedes Exemplar wiegt
stolze 2.100 Gramm


Reiner Calmund ist beeindruckt vom neuen
"Dynamo-Buch 1953 - 2013"

Robert Koch
Prominente Hilfe beim Verpacken der Dynamo Bücher bekamen Uwe Karte und Gert Zimmermann vom Dynamo-Profi Robert Koch

Robert Koch
Robert Koch hält hier ein bestelltes Exemplar seines großen Idols Dixie Dörner in den Händen ...

Robert Koch
... um es anschließend versandtfertig zu machen

Robert Koch
Wieder ein Dynamo-Buch fertig zur Übergabe an das Transportunternehmen ... ein letzter prüfender Blick von Robert Koch



Liebe Käuferin, lieber Käufer,

wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass das Buch, nach heutigem Stand, am 1. August in den Versand gehen wird.

Freundliche Grüße
Uwe Karte und Gert Zimmermann

Lieber Käuferin, lieber Käufer,

wir wissen sehr gut, auf diese Information haben Sie schon lange gewartet. Das "Dynamo-Buch 1953 - 2013" ist im Druck und wir freuen uns als Autoren schon auf die Aufgabe, jedes der durchnummerierten Bücher mit der persönlichen Widmung für den jeweiligen Empfänger zu versehen.

An dieser Stelle freuen wir uns selbst schon riesig, das über zwei Kilogramm schwere Buch endlich in den Händen halten zu können. Ein Buch am PC wachsen und gedeihen zu sehen, ist schon eine schöne Erfahrung. Der schönste Moment aber ist dann tatsächlich der physische Erstkontakt, gar keine Frage.

Von der Logistik her wird es so sein, dass wir die Bücher nach dem Signieren direkt einschweißen lassen, um sie beim folgenden Versand vor Nässe und anderen Einflüssen optimal zu schützen. Dann folgt der spannende Moment für Sie, wenn der Postmann einmal oder zweimal klingelt.

Mit dem Ergebnis sind wir bislang ganz zufrieden, haben in mehreren Korrekturgängen versucht, alle mögliche Fehler zu finden und zu korrigieren. Und nach wie vor sind wir der Überzeugung, die richtige Entscheidung getroffen und das versöhnliche Ende der Saison 2012/13 abgewartet zu haben. Deshalb ein ganz großes Dankeschön an die, die uns dabei unterstützt haben! Und allen anderen Dank für Ihr Verständnis.

Freundliche Grüße
Uwe Karte und Gert Zimmermann

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Dynamo-Leserschaft,

in den vergangenen Tagen erhielten wir zahlreiche Anfragen über das Lieferdatum von "Dynamo Dresden 1953-2013". Deshalb erhalten Sie jetzt noch einmal eine detailierte Information von uns.

Bitte haben Sie keine Angst, das Buch ist fertig geschrieben und sein Inhalt begeistert uns jeden Tag aufs Neue! Aber - es ist noch nicht gedruckt. Und das hat einen einfachen Grund. Wer rechnete vor einem halben Jahr mit der aktuellen Tabellensituation? Und nun stellen sich alle die Frage: Schaffen es unsere Goldfüße? Sie erhalten von uns ein Werk über 60 Jahre Dynamo. Doch das Wichtigste aus aktueller Sicht, der Klassenerhalt ist nicht mit drin. Vielleicht noch mit dem Hinweis: "Bei Drucklegung war die Jubiläums-Saison leider noch nicht abgeschlossen." Dieser Makel ist im Nachhinein nicht zu korrigieren.

Wir haben mit vielen Käufern gesprochen, die einfach der Meinung sind, wir sollten den Klassenerhalt abwarten, damit das Werk auch rund wird.

Sollten einige jetzt etwas Grummeln, können wir das freilich gut verstehen, da Sie einen Geburtstag als ihr Fix-Datum hatten, aber das Fußball-Leben ist halt mit Dynamo leider nicht berechenbar. Um die Lieferzeit zu überbrücken, könnten wir Ihnen aber den kostenfreien Mail-Versand eines Gutscheins anbieten.

Mit hoffungsvollen Dynamo-Grüßen, dass alles gut wird,
verbleiben die beiden Autoren

Uwe Karte und Gert Zimmermann

von Uwe Karte

buch-titel 1993-2004Im Herbst 1993 erschien „Dynamo Dresden 1953 – 1993", das erste Buch über den Traditionsverein im Osten. Die Schwarz-Gelben kämpften seinerzeit in der Bundesliga gegen den Vier-Punkte-Abzug und standen am Beginn einer großartigen Saison. Seitdem ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen. In dieser Zeit kamen ungefähr 200 Spieler, 15 Trainer sowie unzählige Funktionäre an die Lennéstrasse und gingen auch wieder. Die Probleme aber blieben. Dass der Verein heute überhaupt noch existiert, verdankt er in erster Linie seinen Fans. Sie hielten ihren Schwarz-Gelben nach dem bitteren Zwangsabstieg die Treue. Es ging nicht mehr nach München, Bremen oder Leverkusen. Die neuen Ziele hießen Braunsbedra, Sondershausen oder Zehlendorf. Willkommen im sportlichen Niemandsland!

Fußball für Feinschmecker gab es nur noch selten zu erleben, dafür Skandale und Intrigen, Selbstdarsteller und Wichtigtuer. Gern wurde in die Vereinskasse gegriffen, obwohl die drohende Zahlungsunfähigkeit zum nahezu ständigen Begleiter wurde. Als dann auch die Vorherrschaft in der einstigen Fußball-Hochburg verlustig gegangen war, ehemalige Dynamo-Spieler beim Ortsrivalen angeheuert hatten und das sportliche Konzept dort aufzugehen schien, war das Schicksal von Dynamo Dresden eigentlich besiegelt. Mancher Politiker rieb sich die Hände, der Name „Dynamo" passte doch einfach nicht mehr in diese Zeit. Die Fans aber waren nicht bereit, diesen Teil ihres Lebens abzugeben. Urplötzlich strömten Jugendliche und sogar Kinder ins Stadion, obwohl dort nur eine drittklassige Mannschaft kickte und viele die erstklassigen Vorgänger nie selbst hatten spielen sehen. Warum? Bis heute kann es niemand erklären, es war einfach Kult!

Dann wurde die unglaubliche Treue der Fans endlich belohnt! Mit Christoph Franke kam ein Trainer, der sich scheinbar nicht beirren ließ. Er baute eine Mannschaft auf, zog seine Linie durch und hatte das nötige Glück. Zwei Aufstiege in drei Jahren, für die Fans waren es die schönsten Geschenke seit der Bundesliga. In diesem Buch werden Fakten und Hintergründe benannt, Anekdoten und Episoden beschreiben die Begleitumstände von elf Jahren jüngster Vereinsgeschichte. Der Blick hinter die Kulissen, ein unglaublicher Stoff, der in seiner Art und Intensität anderswo nicht in Jahrzehnten zusammen kommen wird. Dynamo ist wieder da, aber noch lange nicht dort, wo der Verein hingehört! Doch das wäre schon wieder ein neues Kapitel.

Ein bitterer Absturz
und der ewige Neubeginn

Der Abschied schmeckte bitter. Ein paar Fans hatten sich an die Spielfeldumzäunung geklammert, als wollten sie die guten, alten Dynamo-Zeiten festhalten und damit retten, was nicht mehr zu retten war. Ausgerechnet Ex-Dynamo Ulf Kirsten hatte für das letzte Gegentor der Sachsen in Deutschlands Eliteliga gesorgt, das letzte für vermutlich sehr lange Zeit. Michael Spies hatte für die Schwarz-Gelben ausgeglichen - 2:2 und dann war Schluss. Ralf Minge war in die Kurve der Dresdner gekommen, auch er mit einem dicken Kloß im Hals, auch er kämpfte mit den Tränen. Die „Marmor, Stein und Eisen bricht!"-Gesänge aus etwas mehr als 3000 Kehlen im Gästeblock, die während der 90 Minuten auch von Knallkörpern und Ausbruchversuchen einiger Chaoten begleitet worden waren, wurden nun durch verzweifelt klingende „Dynamo, Dynamo!"-Rufe ersetzt. Kein Dresdner Fan hatte den Gästeblock verlassen. Die Aufforderung über die Anzeigetafel, sich 15 Minuten zu gedulden, um Trainer und Mannschaft verabschieden zu können, erschien nahezu überflüssig. Ralf Minge winkte ein letztes Mal mit einem Blumenstrauß. Keine Stunde später trösteten die Spieler die Treuesten der Treuen am Mannschaftsbus. Als der sich in Bewegung setzte, war der bittere Augenblick gekommen. Es war nicht nur der Abschied von der Bundesliga. Dieser 17. Juni 1995 besiegelte das Ende einer Ära, die 26 Jahre zuvor mit dem Aufstieg der SG Dynamo Dresden in die DDR-Oberliga begonnen hatte. Für die Anhänger unbegreiflich, ihre Mannschaft war abgestiegen in die Drittklassigkeit. Die Gedanken der Anhänger galoppierten, nur ein Jahr nach der ausgelassenen „Minus vier – na und?-Party" einfach aus und vorbei, wie konnte das nur passieren? Die besten Spieler waren verscherbelt worden, mit Methode und um jeden Preis. Damit hatte die Mannschaft ihren Geist und den Charakter verloren. Die Lücken in den Reihen der Dresdner Helden füllten Fußball-Legionäre, die fast ausnahmslos Mittelmaß verkörperten. Was für ein Trost, für viele sollte es die letzte Chance zum Abkassieren gewesen sein.

von Hans-Jürgen Dörner

Endlich! Nach 40 Jahren ist es zwei Journalisten gelungen, ein Buch über den Verein zu schreiben, mit dem ich groß geworden bin und wo ich insgesamt 18 Jahre gespielt habe. Die Geschichte von Dynamo Dresden zum ersten Mal in gebündelter Form, alle Dynamo-Anhänger, alle Fußballfreunde in Dresden und anderswo, aber auch alle Statistiker können sich freuen. Große Spiele werden noch einmal lebendig, von Begebenheiten und Anekdoten aus dem Alltag der Spieler untersetzt. Dynamo Dresden war eigentlich immer in den Schlagzeilen, vor allem aber durch das technisch gepflegte und attraktive Spiel.

Maß aller Libero-Dinge

Für einen Weltklassemann viel zu ruhig

Seine Name wurde von vielen tausend Tribünenbesuchern, aber auch von in- und ausländischen Kickern ehrfürchtig über die Lippen gebracht. Nicht nur viele junge Fußballer bewunderten den Ausnahmekönner. Von der Eleganz seiner Bewegungen und der Geschicklichkeit seiner Füße ließen sich besonders die Menschen im Dresdner Dynamo-Stadion verzaubern. Die gewiß seltene Gabe, Spielzüge zu lesen, vorauszudenken und dank seiner Qualitäten als Spielmacher und Libero auch entsprechend umzusetzen, machten ihm zum Ausnahmekönner. Der Feinmechaniker auf dem grünen Rasen beherrschte die sanfte Kunst wie kaum ein anderer. Dem Tackling zog er selbst in kniffligsten Situationen ein Kabinettstückchen vor. Leichtsinn wurde ihm deshalb oft vorgeworfen, was für ihn nur die Leichtigkeit war. Sein Stil, der Übersicht, Schlitzohrigkeit und Verstand verriet, machte Feude. Die Fußballfreunde verehrten ihn - ihren Dixie Dörner.

Am frühen Morgen des 2. August 1995 hatte der Spuk ein Ende. Wenige Tage vor dem Drittliga-Start von Dynamo nach dem Zwangsabstieg klickten die Handschellen. Für den nur mit Bademantel und Badeschlappen bekleideten Rolf-Jürgen Otto ein schwerer Schock. Kurz zuvor hatte er noch mit Georg Schauz telefoniert, wollte gemeinsam mit dem damaligen Dynamo-Schatzmeister die Post durchsehen. Danach war der Physiotherapeut zur Massage erschienen. Und dann kam der Staatsanwalt: „Herr Otto, Sie sind verhaftet!"

Gut zweieinhalb Jahre zuvor hatte sich das Schwergewicht aus Hessen zum Präsidenten von Dynamo Dresden wählen lassen und dem Traditionsklub dann im Frühjahr ´93 die Lizenz gerettet. Unvergessen der bühnenreife Auftritt vor der DFB-Zentrale. „Es war schwer", hatte der Baulöwe in die Telefonmuschel geschluchzt. Was damals viele ahnten, aber nur wenige wirklich wussten: Die Millionen stammten gar nicht von ihm. Vizepräsident Walter Hoff hatte in seine Schatulle gegriffen. „Wenn Otto wenigstens ein bisschen Geld gehabt hätte, der hatte aber gar keins", bringt es Ex-Schatzmeister Georg Schauz heute auf den Punkt. Drei Jahre lautete das Urteil für Otto beim Prozess vor dem Landgericht in Chemnitz im Februar ´96. Der „Dicke" hatte in Meißen das Konto eines ehemaligen Treuhandbetriebes geplündert und mit der so abgestaubten Kohle einfach nur jongliert. In Wirklichkeit war er ein bauernschlauer Krimineller, ein abgebrühter Zocker und gnadenloser Despot.